Erste Besiedlung




Eigentlich stammen die Koreaner von einem mongoloidem Volk ab, das im 4. Jahrtausend v. Chr. Mittelasien besiedelt hatte und sich in der Altsteinzeit (Paläolithikum) beim Baikalsee in der Südsibirien niederließ. Ab dem 3. Jahrtausend schließlich fand dieses Volk seinen Hauptsiedlungsort in Südsibirien, wo viele seit den 60er Jahren gemachte paläolithische Ausgrabungen, darunter auch einige mongoloide Gebeine, bezeugen können, dass nicht nur Europa (Cromagnon-theorien) sondern auch der fernöstliche Erdteil, also auch Südsibirien, zum Ursprung von Kulturen der Altsteinzeit bedeutend beigetragen hatte. Obwohl diese ersichtliche Tatsache von den japanischen Historikern wohlwollend nie in ihren Werken aufgenommen worden ist, wodurch es ein Geheimnis bleiben sollte, wurde schon in der alten koreanischen Geschichtschronik "Handangogi" folgendes behauptet: Der erste koreanische Führer, der uns bekannt ist, trug den Namen "Hanin". Ihm gelang es, die Koreaner erstmals in Sibirien zu gruppieren, so dass er ihnen nun beibringen konnte, Feuer sinnvoll zu nutzen, um sich damit z.B. Nahrung zubereiten zu können.

Unter der prägenden Führung von Hanin entwickelten sich die Koreaner zu jungsteinzeitlichen (neolithischen) Kulturen, die - ähnlich den übrigen Völkern dieser Zeit - nun sowohl durch den Anbau von Getreide- und Fruchtpflanzen, als auch der Viehhaltung ihre Grundbedürfnisse gezielter stillen konnten, als das vor Hanin der Fall war. Geographisch gesehen bot sich die von ihnen bewohnte Mandschurische Ebene für neolithische Kulturen geradezu an: Nicht nur, dass die beiden Flüsse "Liaoho" und "Sungari" diese Region durchquerten, gleichzeitig herrschte auch ein erwärmtes und feuchtes Klima, so dass es weite Flächen von fruchtbaren Böden gab, die man bewirtschaften konnte. Jedoch verödete diese Ebene etwa ab 1300 v. Chr. wegen der sich schnell ausbreitenden Klimaveränderung, die mit ihren extremen Temperaturschwankungen den Boden nutzunfähig machte. Durch dieses für die Zukunft der Koreaner bedeutendes Ereignis kann man heute nur schwer einschätzen, ob diese Ebene neben Mesopotamien zu den frühesten Zivilisationszentren der Welt gehörte. Zu erwähnen ist aber, dass einige archäologischen Ausgrabungen durchaus dieses Gebiet als eine "Wiege der Weltzivilisation" erscheinen lassen.

Um das Jahr 5885 v. Chr. schließlich erreichte der koreanischer Führer "Hanung" die kleine Stadt Asadal (Liaosi, nordöstlich von Peking) und stellte dort einen neuen Stützpunkt für das koreanische Volk auf. Unter seiner Herrschaft wurde der Ackerbau und die Viehzucht endgültig zum wichtigsten Beschaffungsmittel von Nahrung erhoben und entwickelte sich dementsprechend auch auf ein hohes Niveau. Sogar die typischen Sitten der Hochzeitsfeier und die ersten Regeln des Familienlebens haben hier ihren Ursprung. Ein ausgedehnter Tauschhandel wurde ebenfalls betrieben, so dass Siedlungen zu einer beachtlicher Grösse wachsen konnten, weswegen sie gleichzeitig mit Mauern und Türmen vor Feinden geschützt werden mußten. Zu dieser Zeit lebten noch viele Chinesen als Kannibalen und wurden erst im Jahre 2852 v. Chr. von ihrem Häuptling, Fu-hsi, dem zivilisierten Leben näher gebracht, indem er sie lehrte, Ehe zu führen, Fische mit Netzen zu fangen oder die Tiere zu zähmen.

Obwohl König Hanung Liaosi zu seinem Hauptsitz machte, gehören Mandschurei und die Koreanische Halbinsel auch zu den wichtigen Zivilisationszentren der Koreaner, wo auch heute noch sehr viele archäologische Funde gemacht werden können; darunter verfeinerte Werkzeuge aus Holz oder Knochen, reich verzierte Keramiken und Tongeschirre, sowie verkohltes Getreide; ihr Alter schätzt man auf 7000 Jahre. Gleichzeitig zeigen diese Funde, dass die Koreaner noch vor den Chinesen eine jungsteinzeitliche Zivilisation bilden konnten. Sogar die erste Verarbeitung von Metall in Ostasien muß den Koreanern zugeschrieben werden.

Um 2700 v. Chr. ungefähr begannen die Chinesen, sich unter dem ersten chinesischen Führer "Huangdi", der aus dem Kunlun von Westchina gekommen war, zu einem einheitlichen Volk zu gruppieren, und die in Nordchina lebenden Koreaner zu verdrängen. Der damalige koreanische Führer "Tschiu" baute schließlich Bronze ab, um damit Waffen bauen zu können, so dass es ihm gelang, den chinesischen Angriff in Takrok (südwestlich von Asadal) abzuwehren. Obwohl Bronze schon 4500 v. Chr. in der Nähe von Bang Chiang in Thailand bekannt geworden war, ist die damalige Verarbeitung von Metallwaffen wohl tatsächlich Tschiu zuzuschreiben, wie es der chinesische Historiker Sima Quian auch in seinem monumentalen Geschichtswerk "Shih-chi" bestätigte. Gleichfalls ist Tschiu dafür berühmt, dass er Strassen geradlinig über Berge baute und die Steinwurfmaschine erfand.

Weil jedoch der chinesische Häuptling Huangdi auch mächtig war, wurde er von den Chinesen als der Urvorfahr verehrt, weswegen sich seither das Verhältnis zwischen Koreanern und Chinesen in Nordchina zunehmend verschärfte. Während die Koreaner Krähe, Phönix und Tiger verehrten, stellten ihnen Chinesen Schlangen, Drachen und Wölfe gegenüber. Trotz des zunehmenden chinesischen Widerstandes sind die Chinesen weiterhin von den Koreanern in kultureller Hinsicht beeinflusst worden, so dass sogar ein Koreaner namens "Yao" im Jahre 2357 v. Chr. zum chinesischen Häuptling ernannt worden ist. Dieser regierte seine Untertanen so vorbildhaft, dass man ihn noch heute in China als das Ideal einer produktiven Herrschaft bewundert.

korrigiert von Libor (24. Sep. 2000)

Die Fortsetzung : Die Gründung alten Chosons



[Die Geschichte von Korea]