Das Koryo-Reich




"Wang Gon" trat als der erste Kaiser Koryos für die drei Grundrisse ein: Volkseinheit, Marschieren nach Norden und Förderung des Buddhismus. Daraufhin wurden viele Parhae-Leute und Silla-Leute in Koryo erfolgreich integriert (einige von ihnen wurden aber zur herrschenden Klasse der Mandschus), und der Buddhismus wurde zur Staatsreligion gemacht. Aber nach Norden konnte Koryo nicht leicht marschieren, weil die Kitan (Liao-Dynastie; 907-1125) in Mandschurei zu gewaltig war. (Die Kitan eroberten 1004 sogar die Chinesen, und kriegten die jährliche Tributzahlung von den Chinesen.) Also konnte Koryo seine Grenze nach Norden nur bis zum Yalu ausdehnen.

Viele Kaiser Koryos strebten, um neu die kaiserliche Regierung zu organisieren und die Kontrolle zu zentralisieren, in deren Folge die zivilen Beamten alle Regierungsorts dominierten und die lokalen Adelsfamilien immer geringer wurden. Das Auswahlsystem für den öffentlichen Dienst, das bereits von Silla ausgearbeitet worden war, wurde erweitert und versorgte das Kaiserreich mit einem ständigen Zulauf von Talenten. Das System gerechter Landzuweisung an die zivilen Beamten und die von den Landbesitzern zu entrichtenden Steurn bildeten die größte Einnahmequelle der Regierung, und verursachten die militärische Stärke Koryos.

In diesen Jahren erlebte Koryo den Höhepunkt der Blütezeit auch im kulturellen Bereich, was durch eine stabile zentrale Regierung unterstützt wurde. Der buddhistische Glaube animierte zu vielen künstlerischen und geisteswissenschaftlichen Werken, indem ein besonderes Töpferhandwerk, das ausgezeichnete Tonwaren mit graugrüner Glasur herstellt wurden, die eisenhaltige Pigmente enthielt. Derartige mattgrüne Seladonkeramiken erfreuen sich auch heute noch großer Beliebtheit. Insbesondere ihre derbe Form, ihre schlichte Dekors und ihre sanfte dunkle Bleiglasur bewundern die Keramiker aus aller Welt.

Weil Erziehung die wichtigste Rolle spielen musste, errichtete Koryo auch das umfassende Erziehungssystem wie Silla. Mit dem Namen "Gukchagam" wurde 992 die staatliche Universität eingerichtet, an der viele Doktoren und wissenschaftliche Assistenten die konfuzianische Klassik unterrichteten. Danach entwickelten sich aber schon 1055 die zwölf privaten Universitäten in Koryo, die bald nicht nur an Autonomie sondern auch an Wissenschaft die staatliche Universität weitaus überrundeten, indem sie von zahlreichen Gelehrten aufgesucht wurden. Daneben dienten die im ganzen Land errichteten Privatschulen dem fortgeschrittenen Studium als Stätten zur Verbreitung von Wissen.

In der Zwischenzeit fielen die Kitan nach mehrmaligen Siegen über die chinesische Sung-Dyniastie 1018 auch in Koryo ein. Weil die militärische Stärke Koryos diejenige der Kitan übertraf, konnte der Feldherr "Gang Gam-tschan" sofort ein großes Heer von 200,000 Soldaten organisieren, und schlug die Kitan durch dessen Überschwemmung zurück, so dass fast alle Kitan-Soldaten von 100,000 ertranken und verschwanden. Als er im Triumph zurückkehrte, holte ihn der Kaiser selbst ab und bezeigte ihm Ehre. Weil er umfassend gebildet war, wurde er als der idealste koreanische Feldherr nach Kim Yu-shin angesehen.

1107 unterwarf Koryo auch die Mandschus im Nordosten der Koreanischen Halbinsel. Aber Koryo verhinderte es aus Mitleid nicht, dass die Mandschus immer weiter ihre Siedlung dort bewahrten, weil sie eigentlich dieselbe Stämme der Koreaner waren. Daraufhin versammelte 1122 ein Nachkomme eines Silla-Prinzen "Aguta" alle mandschurischen Stämme unter seine Hoheit, und gründete eine erste mandschurische Dynastie "Chin" (1122-1234) als Bruder-Dynastie Koryos.

Nach dem Sieg über die Kitan wendeten die Chin gegen die Sung. Endlich marschierten die Chin in Nordchina ein und eroberten 1126 die Sungs Hauptstadt Kaifeng. Der Kaiser und die Kaiserin Sungs wurden zum Sklaven der Mandschus, und arbeiteten bis zum Tod in einem Schweinestall der Chin. Sie waren so mächtig und handelstätig, dass die im Westen gebräuchliche Bezeichnung "China" nach ihrer Dynastie benannt ist. Weil aber ihre Kultur in niedrigem Grade war, wurden sie von Koryo als Bruder nicht anerkannt, infolgedessen begannen sie sich seither von den Koreanern selbständig zu machen und sich als eigenes Volk bewußt zu sein. (Trotzdem fielen sie zu dieser Zeit aus Bruderliebe in Koryo nicht ein.)

Inzwischen vollzog sich seit 1083 der Aufstieg der Lees (der damaligen mütterlichen Familie des kindlichen Kaisers) mit dem Rückzug des Kaisers in Koryo. Indem sie ihre eigenen Töchter Generation um Generation mit den Kaisern vermählten, kontrollierten sie sogar die kaiserliche Familie. Weil die Regierung seither den Adelsfamilien immer mehr Ländereien garantierte, wich das zentralisierte System Koryos einem System feudalistischer Land- und Machtaufteilung. Als regierende Landesherren hatten die Adelsfamilien ihre Stellung gefestigt, und von da an ihren Stammsitz (tatsächlich ihre Länderei) neben dem Familiennamen bezeichnet, um ihren Adelstand zu verdeutlichen: Suwon-Paeks, Inju-Lees, Haeju-Chois, Kyoungju-Kims.

Die Adelsfamilien neigten extrem zur chinesischen Kultur, damit wurde die Kultur Koryos rasch von China beeinflusst, obwohl damals die Chinesen (die Sung) militärisch ganz schwach waren. Weil sie durch Zersplitterung und pro-chinesische Neigung die Regierung erheblich schwächten, behaupteten eine Gruppe von Patrioten unter Führung von "Myotschong" und "Paek Su-han", die kaiserliche Hauptstadt nach Pyöngyang zu verlegen und die pro-chinesischen Adelsfamilien niederzuhalten (1135).

Nachdem ihre Rebellion in Pyöngyang niedergeschlagen worden war, gelangte Kim Bu-shik (einer der Kyoungju-Kims) an die Macht, und setzte die pro-chinesische Aristokratie durch. Seine Selbstgerechtigkeit gipfelte darin, dass er ein extrem pro-chinesisches Geschichtsbuch ("Samguksagi") kompilierte (1145) und unglaublicherweise alle anderen alten Bücher aus altem Choson, Koguryo, Paekche und Silla in ganzem Land sammelte und verbrannte. Weil man heute fast keine ältere Bücher als "Samguksagi" in Korea finden kann, wird er als der bedeutendste Landesverräter von den Koreanern angesehen.

1170 wurden die starken Aristokraten von dem unter Diskriminierungen leidenden Militär verjagt. Der Militär machte die Kaiser zu Marionettenherrschern, damit begann eine Zeit innerer Kämpfe in Koryo. Fast gleichzeitig (1206) versammelten sich alle mongolischen Stämme in der Äußeren Mongolei, um die mongolische Einheit unter der Führung von Dschingis Khan zu bestätigen. Indem Dschingis Khan 1215 das letzte Bollwerk der Chin-Dynastie Beijing nahm, wurden die bisher Nordchina besetzenden Mandschus von den Mongolen unterworfen. 1219 führte Dschingis Kahn seine Truppen in das Gebiet Koryos, doch wandte sich sofort aufgrund des erbitterten Widerstandes Koryos westwärts gegen den Mittleren Osten. Als er Turkestan, Buchara, Samarkand und sogar die Russen besiegte, wurde das größte Reich der Welt errichtet (1222).

1231 fielen die Mongolen wieder in Koryo ein. Obwohl ihre Heere unter Kubilai Khan die exzellentste Organisation, Disziplin, Leistungs- und Anpassungsfähigkeit in der Weltgeschichte besaßen, kämpften dagegen die militärische Regierung Koryos auf Tod und Leben. Indem sich alle Koryos gegen die Mongolen vereinigten, wurden die Mongolen 30 Jahre lang in Koryo aufgehalten. Deswegen plünderten sie ganz grausam und brutal in ganzem Land Koryos, so dass fast alle Kulturgüter Koryos verbrannt oder zerstört wurden. Dazu gehört der Huangyongsa-Tempel, der damals der größte Tempel auf der Welt war.

Um die Hilfe Buddahs zu erflehen, liess der Kaiser Koryos buddhistische Schriften auf 80,000 Holztafeln schreiben, die als Welterrungenschaft heute noch in Südkorea erhalten sind. Daneben erfanden die Koryos zum ersten Male auf der Welt bewegliche Lettern aus Metall, um den Druck von Büchern und Schriften zu erleichtern. Sie entwickelten völlig gleiche, auswechselbare Metalltypen, druckten damit anfangs die konfuzianische Klassik "Sangjonggogumyemun" in 50 Bänden (1234), später viele andere Bücher. Diese Technik ging lange Zeit vor China und sogar vor Deutschland voran, was die 1377 gedruckte "Chikjisimkyoung-Sutra" (jetzt eine der berühmtesten Sammlung vom Louvre-Museum) beweist (Die Gutenbergbibel wurde erst 1456 fertig gestellt).

Weil die Mongoleneinfälle kein Ende nahmen, zog sich die Regierung Koryos auf die Insel Kanghua westlich von Seoul zurück und kämpfte mit Todesverachtung. Da jedoch die Wirtschaft für den dreissigjährigen Kampf völlig erschöpft und verwüstet war, erkaufte sich Koryo schliesslich im Jahre 1259 dadurch mit den Mongolen einen Friedensvertrag, bei ihrer Eindringung in Japan zu helfen. Weil aber die Mongolen keine Erfahrung mit der Seekriegsführung besassen und wegen der unaufrichtigen Hilf Koryos, scheiterten die 1274 unternommenen und 1281 wiederholten Expeditionen nach Japan, die jedoch zum Ende des Kamakura-Schogunats in Japan führte.

Obwohl Koryo unter die Oberhoheit der Mongolen kam, nahmen die Könige Koryos weiter ihre Herrscherrolle ein und bewahrten tatsächlich seine Souveränität gegen die Mongolen. Nachdem es 1340 Aufständen in fast jeder Provinz in China gegeben hatte, gelang es Koryo, 1356 die Mongolen völlig aus der Koreanischen Halbinsel zu vertreiben, und sogar 1370 das Gebiet von Liaodong in Südwestmandschurei zu erobern. In der folgenden Dekade betraten mehrere starke Kriegshelden die Bühne in Koryo, indem sie die chinesischen Räuberbanden und die japanischen Piraten säuberten: Lee Song-Gye, Choi Young und Choi Mu-sun.

Nachdem 1289 "Ahn Hyang" und "Paek Ih-choung" den Neokonfuzianismus von China in Koryo eingeführt hatten, entwickelte sich bald die neuen politischen Kräfte unter Führung von "Chong Do-jeon", der den Buddhismus als zerstörerische Kraft in der koreanischen Gesellschaft betrachtete und eine gründliche Bodenreform einleiten wollte. Doch die alteingesessene Aristokratie Koryos war damals nicht in der Lage, die Institutionen auf lange Sicht wieder aufzubauen. So löste sich das Koryo-Reich 1392 auf, und der General Lee Song-gye gründete die Choson-Dynastie mithilfe von mehreren konfuzianisch gebildeten Beamten.


Die Fortsetzung : Die frühe Periode der Choson-Dynastie



[Die Geschichte von Korea]