Silla und Parhae




Nach der Wiedervereinigung Koreas stieß Silla auf neue Schwierigkeit: Da die chinesische Tang-Dynastie beim Sieg über Paekche und Koguryo viel geholfen hatte, musste Silla die Schuld der Dankbarkeit zahlen. Also trat Shilla der Tang-Dynastie dafür das Gebiet von Liaotung und Shandong ab, das seither die Koreaner von den Chinesen nicht zurückbekommen konnten. Aber die Tang verlangte von Silla noch mehr, indem sie das Gebiet von Paekche und Koguryo unverzüglich einnahm.

Nachdem Silla 671 alle Truppen der Tang aus dem Gebiet von Paekche gedrängt hatte, drang die Tang mit den Heereskräften von 200,000 Soldaten wieder in Korea ein. Aber Silla vernichtete sie bei Inchon an der Westküste in der Nähe von Seoul (675). Obwohl die Tang ihre große Seemächte wieder nach Südwestkorea sandte, zerstörte Silla nach kurzer Zeit auch die Marinen, und gewann sogar die Oberhand zur See (676). Damit konsolidierte Silla seine Vorherrschaft auf der Koreanischen Halbinsel fest, und die Tang zog sich schließlich nach Liaotung (Südwestmandschurei) zurück.

Um das verbreitete Gebiet effektiver zu regieren, führte Silla umfassende Reformen zur Zentralisierung durch. Ganz systematisch wurden die Steuern von den Landbesitzern entrichtet, indem alle Bevölkerung und Grundstücke eingetragen wurden. Daneben wurde 682 die staatliche Universität "Gukhak" errichtet, wo die adeligen Knaben die konfuzianischen Literaturen studierten. Gleichzeitig wurde das System des Staatsexamens (der Einstellungsprüfung für Beamten) aus der Tang eingeführt, das bis in die heutige Zeit reichenden Verwaltungsstrukturen gelten kann. Bis zum 10. Jahrhundert war dann eine eigene koreanische Staatsform fest verwurzelt, die trotz vieler Änderungen und stetigem Wandel bis in die moderne Zeit erhalten blieb.

Mittlerweile gründeten die vergangenen Paekche-Leute ihren neuen Staat in Japan. Weil sie das Gebiet von Paekche in Südwestkorea nicht wiedererlangen konnten, wollten sie stattdessen die barbarischen Japaner zivilisieren und damit eine neue Herrschaft in einer neuen Welt bilden. Nachdem der Prinz Naka no Oe zum japanischen (tatsächlich ersten) König "Tenji" geworden war, verbreitete er die Zivilisation Paekches in Japan. Er baute viele Verteidigungsanstalten gegen Silla an der nordwestlichen Küste Japans, um von Silla gänzlich unabhängig zu werden. Gleichzeitig wurde die japanische königliche Familie eingerichtet, die heute noch Bestand hat, wodurch eine erste staatliche Struktur in Japan entstand.

Doch seine Nachfolger begingen viele komischen Irren, die danach im 20. Jahrhundert von den imperalistischen Japanern mißbraucht wurde. Sie ließen sich völlig verfälschte Geschichtsbücher (Kojiki; 712, Nihonshoki; 720) schreiben, den historische und archäologische Forschungsergebnisse absolut widersprechen. Sie lauteten: schon früher dehnte die japanische königliche Familie als Götter ihre Herrschaftsgebiet in ganzem Japan aus, sogar im Jahre 391 eroberte eine japanische göttliche Königin einen Teil Koreas, indem sie sich das Haar im Meer waschte, worauf sich das Meer teilte. Obwohl sich diese Überlieferung historisch kaum nachweisen lässt, vertrauten die japanischen Imperialisten auf die Wahrheit dieser Geschichtsbücher, sogar heute noch auch die meisten Geschichtswissenschaftler der Welt.

Währenddessen begründeten die früher von Silla besiegten Koguryo-Leute auch ihren neuen Staat in Mittelmandschurei (698). Er hieß Parhae, besaß sofort das ganze Gebiet von Mandschurei, Südsibirien und sogar Nordkorea, nachdem der Begründer "Dae Cho-young" die Truppe der Tang schwer zerstört und sich zum Nachfolger Koguryos ernannt hatte. Jedoch wurden die meisten Koguryos schon von Silla oder von der Tang viel integriert. Also konnten die Koguryos nur die kleine herrschende Schicht in Parhae bilden, während die zahlenmäßig größte Gruppe die rechtlosen Mandschus bildeten.

Die Mandschus waren früher derselbe Stamm der Koreaner gewesen. Nachdem aber die Koguryos das ganze Gebiet der Mandschurei vereint hatten, mussten die Mandschus unter Diskriminierung leiden und sogar als Sklaven die Güter, die allen Koguryos vom Staat zugeteilt waren, bewirtschaften. Zwar lebten die Koguryos in ständiger Angst vor Aufständen von Mandschus, doch die Koguryos wollten die Diskrimination nicht wegschaffen. Obwohl Parhae für 230 Jahren über alle Mandschurei kontrollierte und eine Zeit kultureller Blüte erlebte, beunruhigte das Problem der Diskriminierung immer die Gesellschaft, was zum niedrigeren kulturellen Niveau Parhaes im Vergleich zu Silla führte.

Hingegen blüte in Silla die von Feinheit und Prunk charakterisierte Hochkultur auf, die durch den Buddhismus geprägt war. Weil viele Koguryos, Paekches und Mandschus erfolgreich in Silla integriert wurden und einige von ihnen (Mandschus ausgenommen) sogar als Adelstand anerkannt wurden, konnte Silla zu einem kulturellen Zentrum all der Koreaner werden. Indem Silla 260 Jahre lang relativen Frieden und Wachstum erlebte, wurde der wirtschaftliche Wohlstand Sillas zur Ausgangsbasis für eine Hochblüte der Kunst in allen ihren Ausdrucksformen.

Viele Wunderwerke der Baukunst wie die Sokkuram-Grotte und den Bulguksa-Tempel hinterließ Silla, indem die Künstler Paekches eine große Rolle spielten. Seine steinernen Pagoden haben die Zeiten ebenso überdauert wie die monumentalen Steinskulpturen, die in der Sillas Hauptstadt Kyoungju gefertigt wurden. Gleichzeitig wurde der Buddhismus von einem hervorragenden Mönch "Uonhyo" auch den niedrigen Vönlkern nahegebracht, der den Formalismus und die Adelung des Buddhismus zurückwies.

Nach der Entspannung zwischen Silla und der Tang wurden viele Seidenkleider, Goldschmiedewerke, Perlmutterwerke und Bambuswaren Sillas in der Tang präsentiert, danach über die Karawanenstraßen in Zentralasien und in den Westen ausgeführt. Ein Mönch "Hyecho" unternahm eine Pilgerfahrt nach Indien und hinterliess einen Bericht über seine Reise. Die hochentwickelte Holzdruckkunst Sillas kann man heute noch durch "Darani-Sutra" bestätigen, das als erstes handgedrucktes Buch der Welt gilt.

Im Jahre 828 legte Silla unter Führung von "Chang Bo-go" seine Hegemonie auf der See fest. Indem er alle chinesischen und japanischen Piraten wegtrieb, beherrschte Silla den Zwischenhandel auf der Gelben Meeres allein, und wurde zum Gebieter des Gelben Meeres und des südlichen Meeres. Sogar eine Kriegsflotte baute Silla im Hafen "Tschonghaejin" auf, um seine kommerziellen Interesse abzusichern. Dadurch schwang sich Silla zur Führungs- und Schutzmacht des Meeres auf. Durch die monopolartige Stellung als Handels konnten die Sillas als die besten Seeleute im Fernosten gelten.

Doch im 9. Jahrhundert begann der Niedergang von Sillas Monarchie und Regierungsinstitutionen. Das Land war in große, erbliche Güter eingeteilt, und die immer vermehrte Steurfreiheit führte zur geringeren Steureinnahmen der Regierung, die auch die Streitkräfte Sillas schwächte. Regionale Herrscher und große Seehändler gewannen zunehmend an Macht, und endlich erstand von 890 bis 901 die alten drei Königreiche wieder: Spät-Koguryo (danach Koryo), Spät-Paekche und Silla.

Schließlich proklamierte 918 Wang Kon in Nordkorea das Königreich Koryo (in Anlehnung an den alten Namen Koguryo, er spiegelt sich in der heutigen Bezeichnung der westlichen Welt für das Land wider: Korea) mit der Hauptstadt Kaesong und brachte 936 ganz Korea unter seine Hoheit. Aber die Koreaner verloren schon ein großes Gebiet Mandschurei, weil 926 Parhae von den tungusischen Kitan in Mandschurei vernichtet wurde. Also musste Koryo die besiegten Parhae-Leute auch aufnehmen, so dass Korea wieder vereinigt wurde. Trotzdem beschränkte sich seither das koreanische Herrschaftsgebiet auf die Koreanische Halbinsel.


Die Fortsetzung : Das Koryo-Reich



[Die Geschichte von Korea]