Die Bevölkerung




(1) Die hohe Bevölkerungsdichte

Korea hat etwa 68,3 Millionen Einwohner (1999); Südkorea 46,8 Millionen, Nordkorea 21,5 Millionen. Obwohl Nordkorea nur die mittlere Bevölkerungsdichte (176 Einwohnern pro Quadratkilometer) hat, liegt die Dichte Südkoreas bei rund 468 Einwohnern pro Quadratkilometer. Also ist Südkorea eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt; Japan nur 333 Einwohnern pro Quadratkilometer, Niederlande 379 Personen pro Quadratkilometer. Dazu noch lebt der größte Teil der koreanischen Bevölkerung in den Küstenregionen im Süden und Westen.

(2) Die homogene Bevölkerung und die Ausländerfreundlichkeit

Die Bevölkerung ist überaus homogenzusammengesetzt; mehr als 99 Prozent der Bewohner des Landes sind Koreaner. Insbesondere Nordkorea ist eines der ethnisch einheitlichsten Länder der Welt; abgesehen von einem geringen Anteil Chinesen gibt es keine ethnischen oder sprachlichen Minderheiten in Nordkorea. In Südkorea bevölkern sich doch die nahezu 100 000 Ausländer; unter ihnen stellen die USA-Soldaten den größten Anteil. Obwohl die Soldaten sehr viele Probleme in Korea verursachen und immer mehr Arbeitskräfte aus Südostasien in Südkorea einwandern, zeigen sich die Koreaner überhaupt nicht als fremdenfeindlich, weil die Koreaner von Natur aus ausländerfreundlich sind und in Südkorea nicht so viele Arbeitslosigkeit besteht (6,3%). Bis jetzt richteten sich gar keine Übergriffe gegen Ausländer in Südkorea, während viele Studenten manchmal gegen die USA demonstrieren.

(3) Die wichtige Städte

Die Urbanisierungsgrad ist in Korea sehr hoch; heute leben 83% der Südkoreaner, 62% der Nordkoreaner in Städten (Japan 78%, China 32%). Die größte Stadt Koreas ist Seoul, die Hauptstadt Südkoreas (10,2 Millionen Einwohner, in der Agglomeration rund 27,2 Millionen). Weitere große Städte sind Busan, der Hauptseehafen (3,81 Millionen); Pyöng-yang, die Hauptstadt Nordkoreas (2,50 Millionen); Daegu, ein Zentrum der Textilindustrie (2,45 Millionen); Inchon, der größte Hafen am Gelben Meer (2,31 Millionen), und Gwangju, der heilige Ort der koreanischen Demokratiebewegung (1,26 Millionen).

(4) Die Bevölkerungszuwachs

In den fünfziger Jahren lag der Bevölkerungszuwachs Südkoreas über 3,10 % pro Jahr, so dass sich die Bevölkerung innerhalb von 23 Jahren verdoppelte. Während die Zahl der Südkoreaner 1957 auf etwa 23,1 Millionen geschätzt wurde, beträgt ihre Zahl heute 47,3 Millionen (2000). Weil seit der Gründung von Nordkorea etwa vier Millionen Flüchtlinge die Grenze nach Südkorea überschritten, wurde das enorme Bevölkerungswachstum Südkoreas noch krasser, was zunehmend Wanderungsbewegungen in Richtung der reichen Industriestaaten besonders in die Vereinigten Staaten und nach Deutschland verursachte. Doch das Wachstum ist seit den sechziger Jahren beständig zurückgegangen, und vor kurzem beträgt die Zuwachsrate bei 0,91 % pro Jahr. Zurzeit liegt sogar die Zahl der Geburten (mit einem Durchschnitt von 1,8 Kindern je Frau) weit unter jenem Stand, der notwendig wäre, um die Bevölkerungsgröße zumindest stabil zu halten. Im Durchschnitt sind heute verheiratete Koreanerinnen 26 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind gebären.

(5) Die Lebenserwartung und die Gesundheit

Die mittlere Lebenserwartung liegt für Koreaner bei 70,4 Jahren und für Koreanerinnen 78 Jahren (1998). Die medizinische Versorgung an den Volkskliniken Nordkoreas ist kostenlos. In Südkorea ist die gesetzliche Krankenversicherung eine Pflichtversicherung, ob man reich oder arm ist. Also findet man keine private Krankenversicherung in Südkorea. Ehepartner und Kinder des Versicherten sind mitversichert, wenn sie nicht über ein eigenes Einkommen verfügen. Für 710 Einwohner steht ein Arzt zur Verfügung. Die Kindersterblichkeitsrate ist mit 4 pro Tausend Lebendgeburten extrem niedrig. Außerdem wird in Korea die traditionelle koreanische Medizin praktiziert, die bei der medizinischen Versorgung der Bevölkerung ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

(6) Die Sprache

Die Landessprache ist Koreanisch, als internationale Geschäftssprache dient auch Englisch, das viele Koreaner beherrschen. Deutsch, Französisch, Japanisch, Chinesisch, Russisch können auch viele Koreaner sprechen. Koreanisch ist als eine Art Altaische Sprache wie Türkisch, Osmanisch, Mongolisch, Mandschurisch, Japanisch eingeteilt, weil Koreanisch als allgemeine Kennzeichen der altaischen Sprachen eine agglutinierende Form der Suffixbildung (Nachsilbenbildung) und die Vokalharmonie hat, über eine grosse Vielfalt an Vokalen verfügt und das grammatische Geschlecht, Artikel und Präpositionen fehlt. Aber die reichen optischen und onomatopöischen Ausdrücke und die grosse Auswahl von Konsonanten sind die Eigenheit von Koreanisch. Insgesamt 60 % von all den koreanischen Wörtern bestehen aus dem chinesischen Schriftzeichen, das eigentlich seit dem 4. Jahrhundert das gemeinsame Schriftzeichen für alle Ostasiaten gewesen ist. Aber seit dem 20. Jahrhundert wurden sehr viele europäische Wörter mit dem Modernisierungsprozess ins Koreanisch eingeführt.

(7) Die Buchstabenschrift

Sowohl in Süd- wie in Nordkorea schreibt man Koreanisch in einer Buchstabenschrift namens Hangul, das einzige auf ostasiatischem Boden entwickelte Alphabet, das heutige Linguisten und Sprachhistoriker noch immer in Erstaunen setzt. Diese Buchstaben stellen nicht, wie in den meisten anderen Alphabeten, mehr oder weniger willkürlich gewählte Symbole dar, sondern zeigen einen engen Zusammenhang zwischen Laut und Zeichen auf. Ohne dieses einfache und prägnante Wunderwerk linguistischer Erfindung ist das südkoreanische Wirtschaftswunder schwer vorstellbar. Weil die Schrift ganz leicht erlernbar ist, sind 99 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Koreas längst des Lesens und Schreibens kundig, während der Alphabetisierungsgrad Chinas heute noch 81,5% beträgt.

(8) Die Religion

Während in kommunistischem Norden die Ausübung der Religionsfreiheit praktisch behindert wird, sind in Südkorea verschiedene Religion verbreitet. Unter ihnen soll der Buddhismus in seiner Ausprägung der Mahayana-Schule mit etwa 11,9 Millionen mehr Anhänger haben als jede andere Religion. Aber nachdem Christliche Missionare erstmals 1882 in Korea zugelassen worden war, wuchs jetzt die Zahl der koreanischen Christen auf etwa 10,9 Millionen an (24,3 Prozent). Die meisten von ihnen sind Protestanten (insbesondere die presbyterianische Kirche), deren Schwärmerei besonders auf der Welt zu erwähnen ist. Doch spielt im alltäglichen Leben der Koreaner eine bedeutendste Rolle der Konfuzianismus, obwohl er eher eine Moralphilosophie als eine Religion ist. Von Bedeutung ist noch die koreanische Vereinigungskirche (die Mun-Sekte), die für Massenhochzeiten weltweit bekannt ist. Weil jedoch die Sekte Freiheits- und Persönlichkeitsrechte deren Mitglieder organisatorisch missachtet, wenden sich die meisten Koreaner gegen sie. Weitere Glaubensrichtungen sind Wonbulgyo, Daoismus und Chondogyo.

(9) Soziales

In Nordkorea haben alle Staatsbürger Anspruch auf Invalidenrente und Altersversorgung. In Südkorea wurde die gesetzliche Rentenversicherung als Zwangsversicherung erst im Jahre 1999 eingeführt. Etwa 7,3 % des jährlichen Staatshaushalts werden für Zwecke der sozialen Sicherung aufgewendet. Eine staatliche Unterstützung für einkommensschwache wird gesetzlich vorgesehen, ferner gibt es soziale Beihilfen für Behinderte, ein Gesetz zur Fürsorge für altersschwache Personen, ein Mutterschaftsschutzgesetz in Südkorea. Die arbeitende Bevölkerung tritt meist im Alter von 55 Jahren in den Ruhestand und erhält dann einen Abschiedszuschuß oder eine Rente in Höhe von 50 % des Gehalts.

10. August 2000


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