Die Essen und Eßsitten




Dreimals pro Tag essen die Koreaner ihr traditionelles warmes Essen: "Bap". Die mit Chili, Sardelle, Rettich, Porree, Knoblauch gemischten und fermentierten weißen Kohle, was "Kimchi" heißt, sind für die Koreaner auch sehr wichtig. Also sind Reis und Kimchi so etwas wie der Grundbestandteil der koreanischen Küche, wie Brot und Wurst in Deutschland so sind. Aber was den Ausländern auffallen wird, ist die ungeheure Vielfalt der angebotenen Speisen, die weit über diese Grundelemente hinausreicht.

Ein Teil der Vielfalt der Speisen resultiert nicht nur aus der koreanischen Reichtum an Nahrungsmittel sondern auch aus der großen Gastronomie der Koreaner. Früher war Korea im Grunde ein fruchtbares Land. Nicht nur der König sondern auch der Bauer aßen ganz gut und viel mit vielartigen Speisen. Weil es in Korea sehr verschiedene Angeboten an den Meeresfrüchten und Gemüsearten gab, hat sich in Korea ein Hang zu besonderer Wertschätzung der in einer jeweiligen Jahreszeit leckersten Nahrungsmittel oder regionaler Spezialitäten entwickelt.

Noch heute, wo die Koreaner schon durch den Korea-Krieg am Nahrungsmittelmangel genug gelitten haben, halten die Koreaner immer noch an der feinschmeckerischen Tradition fest, mit vielen Speisen zu essen, bestimmte Gerichte in einer bestimmten Jahreszeit zu essen, und insbesondere an den Festtagen schrecklich viel zu essen.

Kimchi und Bulgogi sind die im Ausland vielleicht bekanntesten Speisen. Das koreanische Essen wird je nach Jahreszeit scharf oder mild, warm oder kalt zubereitet. Der Genuss landestypischer Spezialitäten ist eine der größten Freuden beim Reisen. Probieren Sie die nahrhaften, aber kalorienarmen koreanischen Gerichte.

Kimchi - Das mit Chili, Sardelle, Rettich, Porree, Knoblauch gemischtes und fermentiertes Gemüse ist eines der Grundnahrungsmittel in Korea. Es gibt je nach Region und Zutaten etwa 160 Arten von Kimchi. "Gimuchi", das von den Japanern neuerdings aus Korea eingeführte und japanisierte Kimchi, ist nicht so gut geschmeckt wie koreanisches originales Kimchi. Kimchi ist auch sehr bekannt dafür, gegen Krebs zu wirken.

Bulgogi - Auf dem Holzkohlengrill zubereitetes, mariniertes Fleisch, das bei Ausländern vielleicht beliebteste koreanische Gericht. Bulgogi ist sehr leckere Delikatesse, weil das Fleisch sehr zart und süß schmeckt und sehr appetitlich duftet.

Bibimbap - Gekochter Reis mit gewürztem Gemüse und etwas Fleisch, vermischt mit einer Paste aus rotem Pfeffer.

Shinsolo - Eine Mischung aus gebratenem Fleisch, Fischstäbchen und Gemüse, in einer Kasserolle angerichtet und in einer gewürzten Brühe geschmort.

Gujolpan - Dünnes Streifchen gebratenen Rindfleisches, Pilze, Karotten, Ei, Gurke und andere Gemüsesorten, serviert auf einem Teller mit neun Mulden. Die Zutaten werden in kleine Pfannkuchen zu mundgerechten Happen eingewickelt.

Hanjongshik - Komplettes koreanisches Menü.

Auch durch die ausländischen Einflüsse wurden die koreanischen einheimischen Küchen viel bereichert, weil Koreaner viele fremden Küchen aufgenommen und an ihre Bedürfnisse angepasst haben. In Korea gibt es bsp. eine große Zahl ursprünglich chinesischer Gerichte wie Tschasangmyon, die in China heute niemals so zu finden sein werden, weil sie längst koreanisiert wurden.

Das gilt auch für europäische oder indische Küchen. Ein deusches Beefsteak auf Nudeln, Pizza oder Spaghetti schmecken in Korea einfach anders als in den Ursprungsländern. Auch der beliebte Curry-Reis (kareraitschu) oder Schweineschnitzel (Donkatschu), was die Ausländer überall in Südkorea essen können, haben ihr eigenes Arrangement und ihren besonderen Geschmack. Das gilt für die gesamte ausländische Küche. Die Gerichte schmecken um Nuancen anders, die Beilagen unterscheiden sich. Keine Ausnahme bilden sogar die amerikanischen Fast-Food-Ketten, die ja bewußt damit prahlen, dass ihre Hamburger überall in der Welt fast identisch schmecken.

Nach dem Essen gibt es spätestens noch einmal Tee, bsp. Grünen Tee. Denn er neutralisiert den Geschmack, ist erfrischend und durststillend, wenn auch leicht bitter. Natürlich wird Grüner Tee immer ohne Zucker, Milch oder Zitrone getrunken. Normalerweise kostet er nie etwas, gehört einfach zum Service.

Grüner Tee ist nicht fermentiert, sondern wird gedämpft und erhitzt. Damit wird die Oxidation vermieden. Der grüne Tee wird nicht so heiß überbrüht (80°C) wie der schwarze Tee und braucht nur etwa eine Minute zu ziehen. Sie können die Blätter auch mehr als einmal überbrühen. In der Tat war Tee ja ursprünglich eine Medizin, weil er sehr reich an Vitamin C ist. Er räumt sogar die Abfallprodukte unseres Körpers.

Westliche Höflichkeit wird immer akzeptiert. Denn die Koreaner sind zu großzügig, um es den Ausländern nachzutragen, wenn sie Etikette nicht genau befolgen. Aber es empfielt sich doch, das eigenen Verhalten an dem der Gastgeber oder der anderen Leute in einem Lokal auszurichten.

Wichtig ist das korrekte Benutzen der Eßstäbchen. Man muss das untere Stäbchen mit Daumen und Ringfinger und das obere mit Zeige-, Mittelfinger und Daumenspitze umfassen. Das obere Stäbchen ist das bewegliche, während das untere unterm Daumen eingeklammert wird und zwischen dem ersten und zweiten Glied des Ringfingers ruht. Nach dem Essen oder bei Pausen werden die Stäbchen wieder auf die Ablage gelegt.

Man darf mit den Stäbchen nicht in der Luft herumwedeln, bevor er sich für den nächsten Bissen entscheiden. Keinesfalls darf man die Stäbchen aufrecht in den Reis stecken. So wird nämlich der Reis vor dem Hausaltar für die verstorbenen Vorfahren als Speiseopfer hingestellt. Damit könnte man seinen Gastgeber schockieren.

Es wird gemeinsam mit dem Essen begonnen, da auch das Essen meist auf einmal serviert wird. Also nicht gleich losgehen, wenn die Suppe auf dem Tisch steht. Die wird nämlich auch zwischendurch gegessen, nicht unbedingt als erstes.

Die Suppenschale wird an den Mund gehoben und die Suppe geschlürft, wobei man ander als in Europa durchaus Geräusche machen darf. Man darf auch rülpsen ! Das machen die Koreaner als Zeichen des Eßgenusses.

Mit den Stäbchen kann man feste Bestandteile in den Mund schieben. Das Zerteilen eines gegrillten Fisches gehört zu den Feinheiten. Die Gräten bleiben sauber am Rand des Tellers liegen. Auf jeden Fall sollte man größeres Bissen mit den Stäbchen zerteilen, bevor man sie in den Mund nehmen. Übrigens: Reis sollte man immer ganz aufessen, das verlangt der Respekt vor dem Reis.

Wenn Koreaner (Südkoreaner) abends nach der Arbeit noch einige Zeit miteinander verbringen, um sich in kleinen Lokalen oder Bars zu entspannen, kann es vorkommen, dass jemand plötzlich ruft: "Itscha gasa" = "Gehen wir zur nächsten (Bar)", und alle brechen sofort auf, lassen oft sogar die Getränke unausgetrunken stehen. Natürlich gehen alle mit, denn soetwas fördert den Gruppengeist.

Und Koreaner mögen es nicht gern, dass über Geld überflüssig diskutiert oder gar gestritten wird. Deshalb halten sie nichts von genauer Aufteilung der Gesamtsumme nach dem Motto: Wer hat was gegessen ? Diese gewisse Geringschätzung des Geldes stammt noch aus der koreanischen konfuzianistischen Tradition: Tugendhafter Mensch darf kein Geld sondern nur die Forderung der Gesellschaft berücksichtigen. Beim Essen also steht lieber jemand schweigend auf und zahlt für alle. Aber man muss schnell reagieren und sich die präsentierte Rechnung schnappen, sonst kommt einem jemand anderes zuvor.

4. April 2001


[Über Korea]