Die Koreanerinnen




(1) Allgemeines

Im allgemeinen kommt es bei den meisten erst um die 20 zum ersten Händchenhalten - von Sex noch ganz zu schweigen. Man tauscht in Korea bekanntlich in der Öffentlichkeit keine Zärtlichkeiten aus. Händchenhalten, Küsse, Umarmungen - alle das gehört in den Intimbereich. Ein Kuß ist normalerweise sogar erst ab der Verlobung drin. Er hat also tiefere Bedeutung.

Überhaupt berühren Erwachsene einander weniger als bei Europäern, auch zwischen Eltern und älteren Kindern sind Küsse und Umarmungen kaum üblich, ohne dass die Beziehung deswegen weniger gefühlsintensiv wäre. Gefühle muss man eben ein Korea nicht deutlich zeigen - die anderen nehmen sie auch so wahr. Erst zur Studentenzeit, also Anfang zwanzig, beginnen sie sich konsequenter für das andere Geschlecht zu ineressieren.

Das Zögern bei der Absolvierung der sexuellen Reifeprüfung hat mehrere Gründe. Die gesellschaftlichen Normen sind in Korea konservativ. Das soziale Gefüge und die seit altersher überlieferten konfuzianistischen Werte haben sich auch in den Großstädten noch erhalten, erst recht in der Provinz. In Korea ist Pornographie absolut verboten Im Fernsehen oder im Kino müssen die verbotenen Stellen (bsp. Brust und Po) ebenfalls verborgen werden. Das besorgt ein verschwommener Fleck. Natürlich neigen zumindest die koreanischen Männer durchaus nicht zur Prüderie. Aber nur beim Gespräch auf Parties. Und solche Anzüglichkeiten sind zurzeit auch verboten, weil die koreanischen Frauen alle sexuell gefärbten Gespräche immer für sexuelle Gewalttätigkeit halten. Auf keinen Fall darf man sich mit den Koreanerinnen über etwas sexuelles unterhalten. Die Koreanerinnen mögen nur die romantisch-verspielte Geschichte erzählen oder hören.

Offenheit in der Darstellung von Liebesszenen ist charakteristisch für viele nichtchristliche Kulturen. Trotzdem gibt es keine realistische Abbildung des Geschlechtsakts oder Genitalien in Korea.

Früher zeigte sich die Rolle der koreanischen Frau in der konfuzianischen Moral. Die Frau sollte den Eltern eine gehorsame Tochter, den eigenen Kindern eine liebevolle Mutter und dem Ehemann eine treue Gattin sein. Nicht umsonst spricht man heute noch von einer Ehefrau als "Anä" oder als "Chipsaram", beides bedeutet die Person drinnen, die Person im Haus. Die Frauen verwalten den Haushalt, und kümmern sich um die Erziehung der Kinder. Auch wenn sie heute vor der Ehe fast durchweg eine Zeitlang berufstätig sind, hören koreanische Frauen normalerweise auf zu arbeiten, sobald sie verheiratet werden, oder das erste Kind geboren ist.

Männer und Frauen haben großenteils getrennte Lebensbereiche. Der Platz der Frau ist das eigene Heim, der des Mannes die Firma. Daran ist zwar nichts Außergewöhnliches, aber das Ausmaß, mit dem der koreanische Mann - vor allem in den großen Konzernen - im Grunde mit seiner Firma verheiratet ist, würde bei Europäern sofort Ehen zum Scheitern bringen. Der Mann kommt im Regelfall unter der Woche nicht vor 20 Uhr, manchmal gegen 01 Uhr nach Hause. Auch samstags arbeitet er oft bis in den Nachmittag hinein. Der Sonntag dient dann erst einmal dem Ausschlafen und dann dem Spiel mit den Kindern. Die partnerorientierte Ehe, in der beide Partner einen großen Teil ihrer Freizeit gemeinsam verbringen, kann man ganz schwer in Korea vorstellen.

So ist es kein Wunder, dass die Frauen heute schneller ehemüde werden als die Männer: sie reichen mehr als doppelt so häufig Scheidungen ein, und nur 5% der geschiedenen Frauen heiraten erneut. In diesem Zusammenhang muss man allerdings berücksichtigen, dass noch annäherend die Hälfte aller Ehen durch Vermittlung geschlossen wird. Das bedeutet für beide Partner, dass sie nicht selten keine besonders intensive Gefühlsbeziehung zueinander entwickeln, denn eine solche Ehe wird meist als Vernunftehe arrangiert.

Liebe als Heiratsgrund spielt bei den vermittelten Ehen eine untergeordnete Rolle. Also fungierte die Tatsache der arrangierten Ehe als Begründung für Gleichgültigkeit und als Entschuldigung für Seitensprünge.

Offiziell haben Frauen heute dieselben Rechte wie Männer. Doch in Wirklichkeit ist Korea eine ausgeprägte Männergesellschaft geblieben. Gesellschaftlich spielt die Frau hauptsächlich als Mutter eines oder mehrerer Kinder eine Rolle. Im Berufsleben sind höhere Positionen für sie grundsätzlich nicht vorgesehen, da sie ihre Aufmerksamkeit nur auf die Kindererziehung konzentriert.

Weil viele Firmen Universitätsabsolventinnen gar nicht einstellen, bleiben für Frauen meistens nur die kleineren, weniger attraktiven Firmen übrig. Die Firmen, die Frauen auch für qualifiziertere Arbeiten einstellen, setzen zumeist das Alter von 25 Jahren als Altersgrenze fest, andere entlassen die Frauen mit der Heirat oder mit der ersten Schwangerschaft.

Da die jungen Frauen mit Abschluß der Universität bereits 22-23 Jahre alt sind, vor allen Frauen aber erwartet wird, dass sie mit 25 unter der Haube sind, bleiben nur wenige Jahre, in denen die Frau in der Firma eingesetzt werden kann. Also kann man sagen, dass die Männer heute in Südkorea beruflich und gesellschaftlich die besessenen Chancen haben.

Aber sind die Männer damit auch immer glücklich und zufrieden ? Wenn sie in ihre Firma aufgenommen werden, beginnt für sie ein grundlegend neuer Lebensabschnitt. Denn sie werden Angehörige einer neuen Gruppe, die an Bedeutung die der eigenen Familie übertreffen kann. Die Männer verbringen mit der neuen "Familie" Firma den weitaus größten Teil des Tages, da sie nach Feierabend ja oft noch mit Kollegen zusammensitzen und nicht sofort nach Hause fahren.

4. April 2001


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