Nach der Kapitulation der Japaner am Ende des 2. Weltkrieges, die Korea erobert hatten, wurde der Süden des Landes
von US-Truppen, und der Norden von sowjetischen Truppen besetzt; der 38. Breitengrad bildete eine faktische Grenze.
Die UdSSR unterstützte Kim Il Sung, einen Kommunisten, einer der Anführer von antijapanischen Guerillagruppen in der
Mandschurei gewesen war, und im Süden unterstützten die USA Lee Syngman, einen Nationalisten, der gegen die
Japaner Widerstand geleistet hatte und in den Vereinigten Staaten im Exil gelebt hatte.
Im Süden führten die von den Amerikanern unterstützten und von den Vereinten Nationen beobachteten Wahlen im August 1948 zur Gründung der Republik Korea. Der Norden folgte im September 1948 und errichtete die Demokratische Volksrepublik Korea. Dadurch wurde die Teilung des Landes besiegelt, und die Jahrtausende alte Einheit Koreas wurde also preisgegeben.
Mit massiver Wirtschafts- und Militärhilfe begannen die USA, Südkorea zu einem antikommunistischen Bollwerk auszubauen, zumal sich 1949 in China die Kommunisten unter Maos Leitung durchsetzen konnten. Auch die UdSSR wollte enge Beziehung zu Nordkorea aufnehmen, und durch Militärhilfe die Nordkoreaner gegen die USA unterstützen. Nach dem Koreakrieg wurde das gespannte Verhältnis zwischen beiden in noch höherem Grade konsolidiert.
Obwohl die Wirtschaft von Südkorea während des Koreakrieg völlig zerstört wurde, haben die Südkoreaner rasch ihre Industrie wiederhergestellt. In den Anfängen gipfeln natürlich die Methoden der Amerikaner in Südkorea vorwiegend in der Unterstützung des Landes durch Lieferung von Lebensmitteln, Konsumgütern und Kapital, ähnlich wie in Europa. Nachdem aber die US-Politik des Containment sich zur Politik des Roll back gewandelt hatte, erhielt Südkorea von den USA ein Industrie-Darlehen und von Japan die Kompensationszahlungen. Aufgrund dieses Kapitals und des Fleisses seiner Bevölkerung ist Südkorea aus den Ruinen des Koreakrieges zum elftgrössten Industrieland aufgestiegen.
Währenddessen musste sich Nordkorea von außen völlig isolieren, als sich 1960 zwischen der Sowjetunion und China ideologische Spannungen entwickelten. Weil die Chinesen 1962 einen offenen Wettstreit mit der Sowjetunion um die Führung im kommunistischen Block begannen, konnte sich Nordkorea nicht verkneifen, als Subjektivität-Staat zu deklarieren, der nur im Vertrauen auf die eigene Kraft unter Verzicht auf jede Hilfe anderer handelt. Denn: Als schwaches Land konnte sich Nordkorea weder von China noch von der Sowjetunion Hass zuziehen. Deswegen haben sich seitdem weder die UdSSR noch China nicht länger finanziell an der ökonomischen Entwicklung Nordkoreas beteiligt.
Zudem bezahlte Nordkorea zu viel für den Traum einer nationalen Wiedervereinigung. Obwohl Nordkorea mit 25 Millionen Einwohner ganz kleines Land ist, hat es schon riesige Streitkräfte mit 1 Millionen aufgestellt und sogar die modernste Raketentechnik (einschliesslich von Nuklearwaffen) entwickelt. Schon früher ist Nordkorea zum fünftgrössten Militärstaat aufgestiegen, und weil es bald in der Lage ist, Amerikas Städte in einen Haufen Asche zu verwandeln, mussten sich auch die Vereinigten Staaten mit einem 30 Milliarden Dollar teuren Schutzschild aus Raketen umgeben. Gereade wegen dieses Gegensatzes mit den USA ist die Wirtschaft Nordkoreas total zusammengebrochen, also ist Nordkorea jetzt trotz seiner starken Militärkraft nicht in der Lage, seine eigene Bevölkerung ausreichend zu ernähren.
Weil der prekaere Zustand auf der koreanischen Halbinsel auch nach der Beendigung des Kalten Krieges im Grunde unverändert bleibt, zählt Korea immer noch zu den gefährlichsten Krisenherden der Welt. Und die Aufteilungssituation verzerrte alles im Leben der Koreaner: extrem-strenge Zensuren, brutale Gedankenkontrolle, harte Militärdienst und zu hohe Militärkosten, ob es im Süden oder im Norden ist. Auch nach der Demokratisierung Südkoreas leiden nun viele Nordkoreaner an Hunger, was die Südkoreaner nicht mehr ruhig mit ansehen können.
Also rief endlich 1998 der Südkoreas Präsident Kim, Dae-Jung nach der Demokratisierung von Südkorea die so genannte Sonnenschein-Politik (Versöhnungspolitik) gegenüber Nordkorea aus. Er war als Oppositionspolitiker von der früheren Militärregierung in Südkorea zum Tode verurteilt und jahrelang ins Gefängnis gesperrt worden. Nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten 1997 leitete er neben einer umfassenden Demokratisierung in Südkorea einen Prozess der Aussöhnung mit Nordkorea ein, und zeigte den Mut, die seit 50 Jahren andauernde politische Eiszeit auf der koreanischen Halbinsel mit einer "Politik des Sonnenscheins aufzutauchen".
Ein bisschen ähnelt die Sonnenscheinpolitik Südkoreas ja auch der SPD-Ostpolitik der siebziger Jahre. Südkorea bot Nordkorea an, die Sicherheit Nordkoreas zu garantieren, den Aufbau der Wirtschaft zu unterstützen, sich aus seiner internationalen Isolation zu befreien. Schon im Jahre 1999 lieferte Südkorea dem Norden 100 000 Tonnen Düngemittel. Aber dafür darf der Norden keine Gewalt gegen den Süden anwenden. Er muss sein Versprechen halten, keine Nuklearwaffen zu entwickeln, und den Versuch aufgeben, die Entwicklung von Raketen voranzutreiben.
Die Politik wurde sogar von China, Russland, Vietnam oder Ägypten stark befürwortet. Demzufolge entstand kleine positive Veränderungen auf nordkoreanischer Seite: Nordkorea hat den Amerikanern erlaubt, den Ort Kumchangri zu inspizieren, wo eine Anlage zur Entwicklung von Atomwaffen vermutet wurde. Und sogar am 13. Juni 2000 haben sich nach fast einem halben Jahrhundert die Staatschefs von Süd- und Nordkorea (Südkoreanischer Präsident Kim Dae-Jung und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Il) erstmals die Hände gereicht.

Beim ersten innerkoreanischen Gipfeltreffen in der Geschichte beider Länder sprachen die beiden Staatschefs über die Grundlagen verbesserter Beziehungen, und unterzeichneten ein Abkommen über vertrauensbildende Massnahmen und Schritte zur Wiedervereinigung. Dadurch verwirklicht wurde auch die Zusammenführung getrennt lebender Familien aus beiden Teilen Koreas, die Eröffnung der Verbindungsbüro an der militärischen Grenze, die Wiederherstellung des Schienenverkehrs zwischen Seoul und der nordkoreanischen Stadt Shinuiju im Nordwesten, und eine Annäherung in den Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und beim Austausch in Bereichen wie Kultur und Sport.
Das Spitzentreffen zwischen Südkoreas Präsident Kim Dae-Jung und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-Il gilt als bislang bedeutendster Durchbruch in den Bemühungen um Entspannung und Aussöhnung zwischen beiden Koreas. Also ging der Friedennobelpreis im Jahr 2000 an Südkoreas Präsident Kim Dae-Jung, der häufig mit dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler Willy Brandt verglichen wird.
Eigentlich dem Norden blieb gar nichts anderes übrig, sich zu öffnen. Ein Krieg gegen den Süden würde dem Norden am meisten schaden. Wegen des Hungers versuchen jetzt viele Nordkoreaner, aus ihrem Land zu fliehen. Aber wenn es zu stärkeren Kontakten zwischen Nord und Süd käme, würde die total isolierte Bevölkerung im Norden, die nicht weiss, was sich in der Welt tut, mehr über Südkorea erfahren. Und dann müsste das Regime im Norden zugeben, dass es seine Menschen jahrzehntelang belogen hat.
Wie man am Zusammenbruch des Sowjet-Imperiums gesehen hat, beschleunigt die Öffnung eines totalitären Systems dessen Verfall. Wenn westliche Firmen verstärkt in Nordkorea investieren, dann kann dadurch doch ein Regime aufgepäppelt werden, das beinahe schon bankrott zu sein schien. Aber solange der Norden isoliert und die Bevölkerung arm ist, wird der Kommunismus dort stärker. Wenn Nordkoreas Wirtschaft sich dagegen öffnet, nutzt dies den 25 Millionen Menschen, die verhungert sind.
Natürlich ist das Ziel von der Sonnenschein-Politik keine baldige Wiedervereinigung, sondern die friedliche Koexistenz auf der koreanischen Halbinsel. Noch ist das seit dem Koreakrieg geteilte Land von einer Wiedervereinigung ziemlich weit entfernt. Der prosperierende Süden bangt um seinen Wohlstand. Die "hohen Kosten für die Wiedervereinigung von Deutschland haben uns schockiert", sagte der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung im Frühjahr 2000 an der Berliner Humboldt-Universität. Genauso wie die noch immer bestehenden "psychologischen Konflikte" zwischen Ost und West. Und andererseits bangt die Machthaber im Not leidenden Norden um ihre politische Existenz. Das deutsche Beispiel mit dem Untergang der DDR ist für Nordkorea überhaupt nicht verlockend.
Der zu schnelle Vereinigungsprozess von Deutschland dient Korea als Vorbild, von der Koreaner schon die friedliche Zusammenarbeit und den Austausch von Kontakten lernte. Also zielt die südkoreanische Regierungspartei nur darauf ab, eine stufenweise Wiedervereinigung anzusteuern, denn eine überstürzte Wiedervereinigung können Südkorea sich nicht leisten.
Beide koreanischen Staaten befinden sich seit dem Ende des Koreakrieges (1950-53) praktisch noch im Kriegszustand. Ein formaler Friedensschluss kam bis heute nicht zu Stande. Immer noch wird keine andere Grenze zwischen Ländern so scharf bewacht wie die zwischen beiden Teilen Koreas. Verhandlungen über einen Truppenabbau und Abrüstung stehen noch aus und werden sich vermutlich über Jahre hinziehen.
Wie schön es wäre, wenn wir hoffen könnten, dass der Kalte Krieg auch auf der koreanischen Halbinsel zu Ende geht ? Aber so einfach und sentimental ist nicht die Wiedervereinigungsprozess. Den Koreanern empfahl also Gregor Gysi schon, "Organisieren Sie die Vereinigung so, dass jeder Nord- und Südkoreaner das Gefuehl hat, dabei und danach wichtig zu sein, gebraucht zu werden". Denn eine Nostalgiewelle droht nach kurzer Zeit, wenn die Elite Nordkoreas "völlig entprivilegiert und nach Hause geschickt" wird.
9. April 2000